Warum eure Karriere-Website Bewerber abschreckt (und was ihr dagegen tun könnt)

Der Fachkräftemangel kostet Deutschland laut Boston Consulting Group 86 Milliarden Euro jährlich. Die DIHK meldet im Report 2024/25, dass 51 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als ihr größtes Geschäftsrisiko sehen – und 43 Prozent konnten offene Stellen schlicht nicht besetzen.

Und was tun viele Unternehmen in dieser Situation? Sie investieren in teure Stellenanzeigen auf Indeed und LinkedIn. Sie zahlen Headhunter-Provisionen. Sie klagen auf Messen über schlechte Bewerberqualität.

Was sie dabei übersehen: Ihre Karriere-Website schreckt Bewerber aktiv ab – noch bevor die erste Bewerbung rausgeht.

Ich sage euch heute, wo die größten Fehler liegen. Nicht mit weichgespülten Berater-Phrasen, sondern mit konkreten Zahlen und klaren Worten.


29 Prozent der Unternehmen haben gar keine Karriereseite

Das ist keine Randnotiz, das ist ein Satz, den ich mir zweimal durchlesen musste: Laut dem index Recruiting-Report 2024 hat fast jedes dritte Unternehmen in Deutschland keine eigene Karriereseite. Keine. Gar keine.

Wer heute keine Karriereseite hat, ist für den modernen Bewerber schlicht unsichtbar. 72 Prozent der Jobsuchenden nutzen die Karriereseite eines Unternehmens als wichtigste Informationsquelle – so eine Erhebung von meinestadt.de. Nicht LinkedIn, nicht Xing, nicht kununu. Die eigene Karriereseite.

Wenn ihr also gerade kein Budget für Stellenanzeigen habt, dann investiert dieses Geld in eine saubere Karriereseite. Der Return on Investment ist deutlich besser.

Was das in der Praxis bedeutet:

  • Bewerber, die euch über Google finden, landen auf eurer Unternehmensseite
  • Ohne Karriereseite gibt es keinen logischen nächsten Schritt
  • Ihr verliert Kandidaten, die aktiv nach euch suchen

Der Karriere-Button versteckt sich wie ein scheues Reh

Hier wird es kurz skurril: 43 Prozent der DAX-Unternehmen verstecken ihren Karriere-Button so gut, dass Bewerber ihn kaum finden. Wenn das die größten und bekanntesten Unternehmen Deutschlands nicht hinbekommen – was glaubt ihr, wie es beim mittelständischen Maschinenbauer aus dem Bergischen Land aussieht?

Der Karriere-Button gehört in die Hauptnavigation. Sichtbar, klickbar, unmissverständlich. Wer Talente gewinnen will, muss auch erreichbar sein.

Ich höre oft: „Unser Hauptmenü ist schon voll.“ Mein Gegenargument: Was ist euch wichtiger – ein aufgeräumtes Menü oder neue Mitarbeiter?

Checkliste Navigation:

  • Karriere-Link in der Hauptnavigation (nicht im Footer versteckt)
  • Eindeutige Bezeichnung: „Karriere“, „Jobs“ oder „Stellen“
  • Mobil genau so gut erreichbar wie auf dem Desktop

55 Prozent verlinken auf externe Bewerberportale

Stellt euch vor: Ein potenzieller Bewerber ist auf eurer Karriereseite. Er ist interessiert. Er klickt auf „Jetzt bewerben“ und landet plötzlich auf einer fremden Plattform. Anderes Design, andere URL, manchmal sogar eine eigene Login-Pflicht.

Laut einer Analyse der DAX 160 verlinken 55 Prozent der großen Unternehmen von ihrer Karriereseite auf externe Applicant-Tracking-Systeme (ATS), anstatt eine integrierte Jobsuche anzubieten. Das Ergebnis: Der Bewerbungsprozess fühlt sich fragmentiert und unprofessionell an.

Das ist wie ein Restaurant, das euch zur Bestellung in ein anderes Lokal schickt.

Was Bewerber dabei denken:

  • „Wirkt das hier nicht durchdacht?“
  • „Muss ich jetzt wieder ein Konto erstellen?“
  • „Ich schau mal, ob der nächste Arbeitgeber das besser macht.“

Und der nächste Arbeitgeber macht es besser. Weil er eine integrierte Lösung hat.


91 Prozent der Karriereseiten haben keine intuitive Jobsuche

Hier kommt der vielleicht erschreckendste Befund: Laut dem State of Candidate Experience 2022 haben 91 Prozent der Karriereseiten keine intuitive Jobsuche. Keine Filterfunktion nach Region, keine Sortierung nach Berufsfeld, keine vernünftige Suchmaske.

Dabei ist die Sache simpel: 88 Prozent aller Besucher, die auf eine Karriereseite kommen, kommen wegen der Jobsuche. Nicht für den CEO-Blog, nicht für die Imagevideos, nicht für das Leitbild. Sie wollen Jobs sehen. Schnell, gefiltert, relevant.

Wenn eure Jobsuche schlechter funktioniert als die Suche auf einer beliebigen Jobbörse, dann verliert ihr die Kandidaten dort.

Was eine gute Jobsuche können muss:

  • Suche nach Stichwort und Standort
  • Filter nach Berufsfeld, Erfahrungsgrad, Eintrittsdatum
  • Mobile Optimierung (mehr als 60 Prozent der Jobsuche passiert auf dem Smartphone)
  • Klare Stellenbeschreibungen mit realistischen Anforderungen

Was eine unbesetzte Stelle wirklich kostet

Ich erlebe es regelmäßig: Unternehmen scheuen die Investition in eine professionelle Karriere-Website. Zu teuer, heißt es dann. Lohnt sich nicht.

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) hat ausgerechnet, dass eine unbesetzte Fachkraftstelle rund 29.000 Euro pro Quartal kostet. Das ist kein theoretischer Wert. Das sind entgangene Wertschöpfung, Überstunden der Kollegen, Qualitätsverluste, Projektrisiken.

Rechnen wir kurz: Wenn eine Stelle drei Monate unbesetzt bleibt, weil der Bewerbungsprozess zu holprig ist – dann hat euch das 29.000 Euro gekostet. Eine professionelle Karriereseite kostet einen Bruchteil davon. Einmalig.

Die Frage ist nicht: „Können wir uns das leisten?“ Die Frage ist: „Können wir uns das Gegenteil leisten?“


Was eine gute Karriere-Website wirklich leisten muss

Ich habe jetzt viel darüber gesprochen, was falsch läuft. Jetzt kommt das Gegenbild. Eine Karriere-Website, die wirklich funktioniert, macht folgendes:

1. Einblick in den Alltag geben
Keine Stockfotos von lachenden Menschen im Konferenzraum. Echte Fotos, echte Gesichter, echte Aussagen von echten Mitarbeitern. Bewerber wollen wissen, wie es bei euch wirklich ist.

2. Klare Botschaft für jeden Kandidatentyp
Azubis suchen andere Dinge als erfahrene Fachkräfte. Eine gute Karriere-Website differenziert: eigene Bereiche für Ausbildung, Berufseinsteiger und Professionals.

3. Schnelle Bewerbungsmöglichkeit
Der Bewerbungsprozess sollte maximal 10 Minuten dauern. Lebenslauf hochladen, fertig. Kein 8-seitiges Formular, kein Pflicht-Anschreiben für jede Stelle.

4. Mobile-first-Design
Wer noch keine mobiloptimierte Karriereseite hat, schließt aktiv einen Großteil der Bewerber aus. Punkt.

5. Employer Branding, das ehrlich ist
Was macht euch als Arbeitgeber besonders? Homeoffice, kurze Entscheidungswege, Teamkultur? Sagt es. Konkret. Ohne Corporate-Bla-bla.


Fazit: Eure Karriere-Website ist euer erstes Vorstellungsgesprach

Jeder Bewerber macht sich ein Bild von euch, bevor er den ersten Kontakt aufnimmt. Dieses Bild entsteht auf eurer Website. Wenn die schlecht ist, sind die Besten schon weg, bevor ihr von ihnen wisst.

Der Fachkräftemangel ist real. Aber er ist auch zu einem guten Teil selbstgemacht – von Unternehmen, die ihren Bewerbern digitale Hindernisse in den Weg stellen.

Eine professionelle Karriere-Website ist keine Kür. Sie ist Pflicht. Und sie ist eine der wenigen Investitionen im Recruiting, die sich direkt, messbar und dauerhaft auszahlt.

Wenn ihr wissen wollt, wie eure Karriere-Website abschneidet und was konkret besser werden kann: Wir schauen uns das gemeinsam an.

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Micha Vorländer ist Diplom-Medienwirt und Inhaber der Webagentur Vorländer & friends in Nümbrecht. Die Agentur begleitet mittelstandische Unternehmen bei der Entwicklung professioneller Karriere-Websites und Employer-Branding-Strategien.

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